Was verstehen Jugendliche unter Beteiligung? Warum wollen sie in ihrer Gemeinde mitbestimmen und welche Themen sind ihnen wichtig?  Antworten auf diese Fragen gibt eine Jugendbefragung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), die im Rahmen von Stark im Land – Lebensräume gemeinsam gestalten durchgeführt wurde. Befragt wurden 285 Jugendliche im Alter von 11 bis 22 Jahren in drei ländlichen Gemeinden in Sachsen.

 

 

 

 

 

Mitbestimmung spielt große Rolle

Ein Viertel der Befragten bewertet die Angebote für Jugendliche in ihrer Kommune als positiv. Die Möglichkeiten, sich aktiv an Entscheidungen innerhalb der Gemeinde zu beteiligen, schätzt nur jeder siebte Jugendliche positiv ein. Jeder fünfte Befragte war im Befragungszeitraum aktiv am Gemeindeleben der Kommune beteiligt, jeder Dritte beteiligt sich nach eigenen Angaben gar nicht.  Die deutliche Mehrheit der Jugendlichen wünscht sich mehr Möglichkeiten aktiver Beteiligung.

 

Gefragt nach den Themen, bei denen ihnen Mitbestimmung wichtig ist, nennen die Jugendlichen vor allem Freizeitgestaltung, Jugendzentren, Vereine, Schule, Öffentlicher Nahverkehr  (ÖPNV)  und öffentliche Plätze. Selbst bei Entscheidungen mitzuwirken, können sich die Jugendlichen im Bereich der Freizeitgestaltung, des Umwelt- oder Tierschutzes oder dem Thema  ÖPNV  vorstellen.

 

Beteiligung als „Kitt“ der Kommune

Die Befragung zeigt eine Reihe von interessanten Zusammenhängen:

 

Je aktiver die Jugendlichen am Gemeindeleben der Kommune beteiligt sind, desto

  • glücklicher sind sie in der Kommune.
  • besser bewerten sie die Angebote für Jugendliche.
  • eher haben sie den Eindruck, dass der Gemeinde die Zukunft der Jugendlichen wichtig ist.
  • mehr Zusammenhalt und Unterstützung nehmen sie in der Kommune wahr.
  • haben sie das Gefühl in Entscheidungen der Kommune einbezogen zu sein.
  • besser fühlen sie sich  über Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Gemeinde informiert.

Beteiligung – mehr als nur ein Wort?

Beteiligung bedeutet für 41 Prozent der Jugendlichen, an etwas teilzunehmen. Mehr als ein Drittel versteht Beteiligung als aktive Gestaltung.  Und warum ist Jugendbeteiligung in der Kommune notwendig? Den Jugendlichen ist es wichtig, gehört zu werden, mitzuwirken und mitbestimmen zu können.  Sie wünschen sich eine jugendorientiertere Politik, die ihre Interessen aufgreift und vertritt. Nach Ansicht der Befragten ist Beteiligung wichtig, damit Freizeitangebote vor Ort verbessert werden, Jugendliche sich in ihrem Heimatort wohlfühlen und sich mit diesem verbunden fühlen und ein Interesse an einer positiven Zukunft des Ortes bzw. der Region haben. Zudem helfe Beteiligung dabei, Missstände zu beheben und Veränderungen stattfinden zu lassen.

„Es ist mein Recht  und eine Chance, etwas für andere zu verbessern.“

Knapp 85 Prozent der Jugendlichen sind glücklich darüber, in ihrer Kommune zu wohnen. Dennoch kommt für knapp ein Drittel ein Wegzug in Frage. Dies sind vor allem Jugendliche im Alter von 17 bis 19 Jahre, die sich die Frage nach „Weggehen“ oder „Bleiben“ bereits aktiv stellen.

 

 

Jede Kommune setzt Beteiligung unterschiedlich um

Die Erfahrungen von Stark im Land zeigen, dass jede Gemeinde Beteiligung anders umsetzt. Die Jugendbefragung bestätigt dies und zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen. Die Jugendlichen geben z.B. in einem unterschiedlichen Ausmaß an, dass sie glücklich sind, in ihrer Gemeinde zu wohnen. Auch die Einschätzung der Angebote und des Zusammenhaltes in der Kommune sowie das Ausmaß, in dem Jugendliche aktiv am  Gemeindeleben beteiligt sind, unterscheidet sich von Gemeinde zu Gemeinde.  Interessanterweise machen Jugendliche aus einer Kommune durchweg positivere Angaben. Dies betrifft nicht nur die Wahrnehmung der Gemeinde im Allgemeinen, sondern auch das Ausmaß und die Nutzung der Beteiligungsmöglichkeiten. Besonders positiv in Bezug auf Beteiligungsmöglichkeiten bewerten die Jugendliche die Kommune, die die DKJS bereits länger als die anderen beiden Kommunen auf dem Weg zu einer jugendfreundlicheren Kommune  begleitet.

 

Hintergrund der Jugendbefragung

Ende 2017 befragte die DKJS im Rahmen von Stark im Land 285 Jugendliche zwischen 11 und 22 Jahren in den drei sächsischen Gemeinden Bannewitz, Oybin und Roßwein. Die Kommunen haben sich zum Ziel gesetzt,  eine Leitlinie zur Kinder- und Jugendbeteiligung zu entwickeln und so  eine  starke  Kultur des Miteinanders zwischen Jugendlichen und Erwachsenen im Gemeinwesen zu etablieren. Die Ergebnisse der Jugendbefragung wurden in den Gemeinden diskutiert und flossen in die Leitlinien zur Kinder- und Jugendbeteiligung ein, die in den kommenden Monaten durch die jeweiligen Gemeinderäte ratifiziert werden.  Die Jugendbefragung gibt  Antworten, die Förderer von Jugendbeteiligung und lokale Akteure für die Weiterentwicklung von Beteiligung in kommunalen Strukturen nutzen können. Zudem fließen die Ergebnisse in die Programmpraxis von Stark im Land ein.