Löbau

Der Maker-Space in Löbau ist eines von 26 Jugendbeteiligungsprojekten, die 2019 im Rahmen von Hoch vom Sofa! unterstützt wurden. Hoch vom Sofa! ermutigt Jugendliche zur Gestaltung ihrer Lebenswelt und begleitet sie bei der Umsetzung eigener Ideen.

 

„Ideenschmiede“, „Kreativität“, „Miteinander“ und „Selbstgemacht“ steht in Stickern auf den hell erleuchteten Schaufenstern, dazwischen kleine Comicmotive von Computern, Glühbirnen und startenden Raketen. Die großen Fensterscheiben geben Einblick auf geschmackvolles Mobiliar, einladend bunte Wände, darauf kleben Poster und Plakate.

 

Wir betreten die Eröffnung des Maker-Space in Löbau. Es sieht aus wie ein sehr cooler, sehr moderner Pop-Up-Store, mitten in der sächsischen Oberlausitz. Uns empfängt ein kleines Buffet mit Getränken und es wimmelt von geschäftigen Jugendlichen. „Ein Maker-Space – auch FabLab (engl. fabrication laboratory – Fabrikationslabor) ist eine offene Werkstatt mit dem Ziel, Privatpersonen den Zugang zu Produktionsmitteln und modernen, industriellen Produktionsverfahren für Einzelstücke zu ermöglichen“, lernen wir von einem selbstgestalteten Plakat direkt im modernen Eingangsfoyer.

 

Von einer kahlen Baustelle zum modernen Coworking Space

Noch im April war dieser Ort eine Baustelle. 300 Stunden unbezahlte Freizeit flossen seitdem in den Umbau, „teilweise auf allen Vieren“, erklärt uns Max (15), der uns sofort abfängt und die Räumlichkeiten zeigt. Der Kulturverein „Löbau lebt“ mietete diese leerstehenden Räumlichkeiten an und gab der Jugendgruppe „Geistesblitz“, der Max seit Beginn angehört, ein Dach. Auf zwei Stockwerken finden sich großzügige Räumlichkeiten, ein Empfangsraum, eine Siebdruckstation und im zweiten Stock ein Kino. „Und wenn ihr bis ganz hinten durchgeht, kommt ihr zu unserem Maker-Space, dessen Eröffnung wir heute feiern“, sagt uns Max feierlich. Ein großer, weitläufiger Raum, mehrere Stationen: Wir sehen 3D Drucker, Lötkolben, blinkende Mikrocontroller, Nähmaschinen, Computerbildschirme zeigen unverständliche Codes. Was es damit auf sich hat, erfahren wir anschließend in einem Vortrag von Max, der die Eröffnung offiziell einleitet.

 

Die Geistesblitze: digitale Tüftler

„Geistesblitz“ – das ist eine Jugendgruppe, die sich im November 2018 begann zu formen. Sie besteht aus acht Schülerinnen und Schülern des Gymnasium Löbau, allesamt aus der MINT-Klasse (mathematisch/informatisch/naturwissenschaftlich/technisch), darunter auch ein Mädchen. Gemeinsam haben sie sich in den Kopf gesetzt, einen offenen Coworking Space zu gründen, der alle Jugendlichen willkommen heißt, die basteln, tüfteln, reparieren, nähen wollen. „Wir wollten einen Ort erschaffen, der digitale Werkzeuge für alle zugänglich macht,“ sagt Max. Im April 2019 mietete der Kulturverein „Löbau lebt“ schließlich das leerstehende Ladenlokal an und der Umbau begann.

 

Hoch vom Sofa! und los zum Ziel

Seitdem passierte bereits einiges mehr: die Jugendlichen gewannen Wettbewerbe (zum Beispiel mit dem Bau einer Mondstation), sorgten beim Stadtfest mit einem eigenen Stand für Werbung, erstellten einen Instagram-Account, verteilten Flyer an den Schulen. Und sie bewarben sich bei Hoch vom Sofa!, einem Förderprogramm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) für Jugendprojekte. Tina Jakubowski, Programmitarbeiterin der DKJS, erzählt uns begeistert über das große Engagement der Löbauer Jugend: „Wir von Hoch vom Sofa! möchten Jugendliche dabei unterstützen, ihre eigenen Ideen und Wünsche zu verwirklichen. Vom Engagement der Löbauer Jugend sind wir überzeugt. Daher war es eine große Freude, dieses Projekt im pädagogischen Prozess zu begleiten.“ Mit der Teilnahme am Programm war für die Jugendlichen aus Löbau nun die finanzielle Grundlage für die Eröffnung des Maker-Spaces gelegt. In einem späteren Gespräch vor Ort erzählen uns Hanna, Silas, Florian und Max (alle 15) mehr dazu.

 

Oberstes Credo: Selbstverwirklichung

„Wir wollen hier eine offene Werkstatt anbieten, in die jeder hinkommen kann, der Lust hat. Es soll ein Ort des Tüftelns werden, an dem wir voneinander lernen“, erklärt uns Hanna. „Wir hoffen, dass sich ein Ort etabliert, der ermöglicht kreativ zu sein, zu erschaffen, aber auch voneinander zu lernen. Einen Ort für Löbau und Umgebung, nicht nur für uns. Für alle!“, sagt Max. Als wir nach Zielen und Ideen für die Zukunft fragen, sind alle vier sofort euphorisch. „Wir wollen Workshops anbieten, zum Beispiel zum Programmieren oder Löt-Kurse. Alle sollen sich eingeladen fühlen“, so Florian. Silas führt fort: „Man kann auch was zum Reparieren mitbringen oder eigene Ideen einbringen. Es soll noch größere gemeinsame Projekte geben, zum Beispiel eine Teilnahme bei „Jugend forscht“, und einen Roboterarm wollen wir auch entwickeln.“ Max fügt hinzu: „Das oberste Credo dieses Raums soll sein: Selbstverwirklichung. Das ist die Hauptsache. Jeder kann sich selbst beteiligen, sich selbst einbringen. Es gibt so viele Bereiche, die wir noch nicht erkundet haben. Auch das Thema Kunst wollen wir unterbringen – und das Thema Musik.“

 

Jeder kann mitmachen

Mittwochs von 15 bis 17 Uhr soll hier der offene Treff stattfinden. Florian dazu: „Wir hoffen, dass viele neue Jugendliche dazukommen. Wir wollen ja, dass dieser Ort auch nach unserem Abitur noch erhalten wird von anderen Jugendlichen.“ „Jeder weiß irgendwas von uns, aber keiner alles“, ergänzt Hanna, „So lernen wir alle voneinander, und so kann auch jeder dazukommen und seinen Teil beisteuern.“

 

Kreativität ohne Grenzen

Wir fragen die Jugendlichen, ob und wie sie sich bisher mit Problemen konfrontiert sahen.

„Das Schwierigste bisher ist, dass wir noch sehr unstrukturiert sind. Wir müssen noch vieles darüber lernen, wie man sich selbst organisiert. Es ist wichtig, dass man den Prozess irgendwie festhält – im Prozess. Also protokolliert, klar strukturiert. Das haben wir nicht gemacht, wir sind einfach drauf los“, so Max. Florian wirft ein: „Dabei haben wir aber so viel gelernt. Ich zum Beispiel über die technischen Details zum 3D-Druck, wie modelliert wird, wie verschiedene Programme zu bedienen sind. Und unsere Physik- und Mathelehrer sind da. Wir wurden immer gut unterstützt, und sind froh, wie alles gelaufen ist. Und da gibt es ja noch viel Potenzial. Wir hoffen auf andere kreative Leute, nicht nur unbedingt mit technischem Schwerpunkt, sondern auch künstlerischer Natur. Das würde es noch abrunden.“

 

Staunen, begeistern, lernen

Als uns die Jugendlichen nochmal nach hinten in ihren Maker-Space mitnehmen und uns alles zeigen, werden alle Augen ganz groß. Unsere vor Erstaunen – und die der Jugendlichen vor Begeisterung.

Hanna führt uns vorbei an den 3D-Druckern, zeigt uns die zwei Standarddrucker und erklärt: „Mit diesem hier kann man viel feinere Sachen drucken, weil das ein Kunstharz-3D-Drucker ist“. Sie führt uns zur Nähstation. „Hier werden gerade Turnbeutel genäht. Die Nähmaschine, die wir hier haben, ist viel moderner als die in der Schule – das macht alles zwar etwas komplizierter, aber dafür auch viel mehr Spaß.“

 

Freie Prozesse und bunte Visionen

Wir gehen vorbei an einer modernen Fotobox, einer Lötstation und einem Mikrocomputer. „Der ist dazu programmiert, die Luftfeuchtigkeit zu messen“, erklärt uns Silas und führt uns dann zu seiner Lieblingsstation, dem Programmieren. Wir sehen blinkende LED und Silas erklärt uns: „Das ist eine Blinkschaltung, gesteuert von diesem Mikrocontroller. Ich habe das Programm etwas abgewandelt, sodass diese LEDs jetzt entweder blinken oder durchgehend leuchten.“ Silas blickt auf einen Computerbildschirm und zeigt uns, wofür die Codierungen stehen. „Was mir daran so Spaß macht ist, dass man Sachen sichtbar machen kann. Normalerweise ist Programmieren ja ziemlich statisch, aber hier ist es mit etwas visuell Sichtbaren verknüpft.“

 

Unvergessliche Geistesblitze für Jung und Alt

Zu guter Letzt schießen wir ein gemeinsames Foto an der Fotobox und winken den Tüftlern nochmal hinterher. Sie haben noch eine Menge zu tun, und wir sind gespannt, wie es weitergeht. Es ist schön zu sehen, wie engagiert die Jugendlichen sind. Es ist schön, das Lehrer-Schüler-Verhältnis mal umzudrehen – und zu sehen, wie viel die älteren Generationen doch von den Jugendlichen lernen können. Wir fahren mit neuem Wissen davon. In der Hoffnung, dass dieser Geistesblitz wieder öfters von den Jüngeren auf die Älteren übergehen wird.

 

 

Hoch vom Sofa! ist Teil von Stark im Land – Lebensräume gemeinsam gestalten. Ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in Kooperation mit dem Sächsischen Ministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.