Wie ticken Jugendliche eigentlich?

©DKJS

Wie ticken Jugendliche heutzutage? Sind sie verlässlich? Was kann man ihnen zutrauen und was nicht? Erwachsene haben sehr unterschiedliche Antworten auf diese Fragen und damit auch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Kindern und Jugendlichen.

 

Für ein erstes Beteiligungsprojekts ist es jedoch günstig, wenn das Bild der Jugend einheitlich ist.

 

 

 

Wie kann ich herausfinden, welche unterschiedlichen Jugendbilder es unter den Erwachsenen gibt?

Um Beteiligungsprojekte mit Kindern und Jugendlichen umzusetzen, sollte vorab geklärt werden, welches Bild von Kindern und Jugendlichen die mitwirkenden Akteure aus der Kommune haben und welche gemeinsame Basis vorhanden ist. Die Beantwortung folgender Fragen kann Aufschluss über die jeweilige Sichtweise geben:

 

  • Was erwarten Sie von den Kindern und Jugendlichen in dem Projekt?
  • Was trauen Sie Kindern und Jugendlichen zu? Was eher nicht?

 

Wichtig ist es, ein gemeinsames Bild darüber zu erarbeiten, was von den Kindern und Jugendlichen erwartet wird und welche Rolle die Erwachsenen innerhalb des Beteiligungsprojektes übernehmen sollen.

 

Wie ticken Jugendliche heute?

Für die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es gut zu wissen, wie diese ticken und was ihnen zuzutrauen ist. Jugendliche stehen heutzutage anderen Anforderungen und Möglichkeiten gegenüber, als die Erwachsenen in ihrer Jugend. Sie sammeln andere Erfahrungen und gestalten das eigene Leben dementsprechend anders. Die vielfältigen Möglichkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, führen auch dazu, dass sich Kinder und Jugendliche ausprobieren wollen. Die Verpflichtung zu einem langfristigen Engagement passt dazu eher nicht. Dementsprechend haben Jugendliche den Wunsch, sich kurzfristig und projektbezogen zu engagieren. Diesem Anspruch kommt die projektbezogene Beteiligung entgegen.

Was kann ich Jugendlichen zutrauen?

Alles, wenn es gut begleitet ist.

Kinder und Jugendliche können besonders das, was sie selber wirklich wollen. Wenn es darum geht, eigene Ideen umzusetzen, können sie ein enormes Potenzial entwickeln. Ihnen kann also sehr viel zugetraut werden.

 

Jugendliche können alles, was sie selber wirklich wollen

 

Kinder und Jugendliche können Verantwortung für die Umsetzung ihrer Ideen und Wünsche tragen. Diese Verantwortung sollte ihnen jedoch nicht mit dem drohenden Zeigefinger übertragen werden. „Und jetzt übernehmt Ihr die Verantwortung, nun macht mal“, ist keine geeignete Form. Vielmehr sollte Beteiligung ermöglicht und auf die Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen vertraut werden, im Sinne von „Ihr werdet das schon gut machen, es ist Euer Projekt, lasst Euch nicht reinreden“. Damit übernehmen die Kinder und Jugendlichen automatisch Verantwortung für ihr Handeln.

 

Gelingensbedingungen: ein gutes erstes Projekt, Vertrauen, Begleitung, Kommunikation und Transparenz

Damit Beteiligung gelingen kann, braucht es zunächst ein gut ausgewähltes erstes Projekt. Dieses sollte übersichtlich und einfach umzusetzen sein. Weiterhin sollte den Kindern und Jugendlichen von den Erwachsenen Vertrauen entgegengebracht werden. Gut ist es, das Projekt direkt in die Hände der Kinder und Jugendlichen zu geben, mit der Botschaft: „Es ist Euer Projekt“. Auch bezüglich der Ergebniserwartung kann den Kindern und Jugendlichen von Seiten der Erwachsenen der Druck genommen werden, indem kommuniziert wird, dass auch ein Scheitern erlaubt ist.

Darüber hinaus braucht es ein Unterstützernetzwerk, welches den Kindern und Jugendlichen als Ansprechpartner und Begleiter in wichtigen Fragen zur Seite steht. Zwischen den Begleitern und den Kindern und Jugendlichen sollte eine transparente und ehrliche Kommunikation stattfinden, damit eine vertrauensvolle und verlässliche Bindung aufgebaut werden kann.

 

Was sind die Aufgaben der Erwachsenen?

Die Erwachsenen sind die Begleiter und Unterstützer bei Beteiligungsprojekten. Ihre Aufgabe ist es, sich mit eigenen Ideen und Vorstellungen zurückzuhalten, jedoch bei Unterstützungsanfragen zur Verfügung zu stehen. Letztendlich besteht ihre Aufgabe darin, eine Balance zwischen Unterstützung und Zurückhaltung in jeder Phase der Projektumsetzung zu finden. Hierzu braucht es ein gewisses Verständnis für die Kinder und Jugendlichen, aber auch den Mut, ungewohnte Wege zu gehen.

 

Was kann man von Kindern und Jugendlichen nicht erwarten?

  • Benennung von Ideen und Wünschen auf „Knopfdruck“Nicht immer können Kinder und Jugendliche auf Anhieb ihre Interessen und Wünsche äußern. Sie sollten deshalb dabei begleitet und unterstützt werden, etwa mit altersgerechten Methoden

 

  • Engagement für die Ideen anderer
    Zudem ist es schwer, Kinder und Jugendliche zu einem Engagement für Projekte zu bewegen, die sich nicht an ihren eigenen Ideen und Wünschen orientieren, sondern eine Umsetzung der Ideen von anderen darstellen. Häufig meinen wir zu wissen, was Kinder und Jugendliche brauchen. Dies muss aber nicht unbedingt mit deren tatsächlichen Wünschen übereinstimmen. Beteiligungsprojekte sollten daher eng mit den Wünschen der Kinder und Jugendlichen verknüpft sein. Ähnlich ist es auch, wenn gut gemeint etwas „für“ Kinder und Jugendliche getan wird. Kinder und Jugendliche wollen nicht unbedingt etwas „vorgesetzt“ bekommen. Häufig geht es ihnen darum, sich ihre eigenen Räume zu schaffen und diese nach ihren Wünschen zu gestalten. Hier steht eher der Weg als das Ziel im Vordergrund. Ermöglichen Projekte also eine aktive Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen, werden auch die Ergebnisse eher von ihnen angenommen.

 

  • „Erwachsenentypische“ Aufgaben zu übernehmen
    Beteiligungsprojekte sollten keine zu hohen bürokratischen Hürden, wie z.B. Baugenehmigungen, Verwaltungsabläufe oder Klärung von Eigentumsrechten, beinhalten. Bürokratie schreckt Jugendliche eher ab. Daher sollte bei Projekten darauf geachtet werden, dass die Bürokratie niedrigschwellig ist und bürokratische Aufgaben eher von Erwachsenen übernommen werden. Wichtig ist dennoch, dass die Kinder und Jugendlichen über bürokratische Aufgaben und Abläufe informiert werden und auch darüber Bescheid wissen.

 

  • Langfristige und zeitintensive Beteiligung
    Von Kindern und Jugendlichen kann nicht erwartet werden, dass sie sich anhaltend an langfristigen und zeitintensiven Projekten beteiligen. Bei langfristigen Projekten geht schnell die Motivation und damit auch das Engagement verloren. Hier geht es ihnen ähnlich, wie vielleicht auch ehrenamtlich tätigen Erwachsenen. Wenn Projekte kleinteilig und nicht zu zeitintensiv sind und schnelle Erfolge ermöglichen, führt das wiederum zu einer hohen Motivation.

 

  • Gleichbleibende Interessen
    So wie Kinder und Jugendliche körperlich rasante Reifungsprozesse durchlaufen, verhält es sich auch mit ihren Ideen und Wünschen. Sie verändern schnell ihre Interessen. Daher sollten Beteiligungsprojekte möglichst zeitlich überschaubar gehalten werden.

 

  • Handlungen und Vorgehensweisen wie Erwachsene
    Kinder und Jugendliche gehen anders vor als Erwachsene. Sie haben ihr eigenes Tempo und kommen möglicherweise auch zu anderen Ergebnissen, als von den Erwachsenen erwartet. Dies gilt es „auszuhalten“ und „abzuwarten“. Die Erwachsenen sollten sich in der Rolle der Führenden und Lenkenden zurücknehmen und eher begleiten und unterstützen. Verstehen Sie sich als Coach, der bei Fragen zur Seite steht oder gegebenenfalls Kontakte vermittelt.

 

  • Alle Kinder und Jugendliche zu erreichen
    Häufig sind kommunale Akteure enttäuscht, wenn nicht alle Kinder und Jugendlichen vor Ort mit einem Beteiligungsvorhaben erreicht werden können. Es wird jedoch immer Kinder und Jugendliche geben, die für Angebote nicht offen oder nicht erreichbar sind. Auch die Gruppe derjenigen, die sich beteiligen wird sich möglicherweise verändern. Während neue Kinder und Jugendliche hinzukommen, steigen andere aus verschiedenen Gründen wieder aus.