Die Umsetzung eines ersten gemeinsamen Projektes ermöglicht kollektive Erfolgserlebnisse. Damit dies gelingen kann, sollten einige Punkte beachtet werden:

 

„Der Erfolg des ersten Projektes ist das Fundament für eine tragfähige und lebendige Kinder- und Jugendbeteiligung in der Gemeinde.“

Merkmale eines guten Projekts

Es hat sich grundsätzlich bewährt, mit einem Vorhaben statt mit mehreren gleichzeitig zu beginnen. Projekte sollten besser nacheinander durchgeführt werden, um sich nicht in der Koordinierung zu verzetteln. Gemeinsam sollten Sie das Projekt direkt aus den Ideen und Wünschen der Kinder und Jugendlichen ableiten und so auswählen, dass es möglichst schnell, einfach und mit großer Sicherheit umgesetzt werden kann. Denn langwierige Prozesse führen zu Ungeduld und Unzufriedenheit bei allen Beteiligten. Schnell sichtbare Erfolge hingegen motivieren dazu, weitere Projekte umzusetzen.
Im Vordergrund sollte die aktive Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen in möglichst allen Phasen der Projekte stehen. Die Beteiligungsangebote richten sich dabei insbesondere auch an benachteiligte junge Menschen. In respektvoller Zusammenarbeit mit möglichst vielen verschiedenen Akteuren aus der Kommune entwickelt sich gegenseitiges Verständnis und Vertrauen.

 

 

Wichtigste Merkmale des ersten Projekts

  • ein Vorhaben statt mehrere parallel
  • schnell, einfach und garantiert umsetzbar
  • gemeinsam über das Vorhaben entscheiden und planen
  • an Wünschen der Kinder und Jugendlichen orientiert
  • viel Eigenaktivität der Kinder und Jugendlichen möglich
  • generationsübergreifende Beteiligung fördern

Bewährte erste Projekte

„Von Jugendlichen für Jugendliche!“

Gestaltungsprojekte, bei denen sich junge Menschen Orte oder Räume (zurück)erobern, eignen sich besonders für ein erstes Vorhaben. Die Wiederbelebung oder Neugestaltung von Jugendräumen,  -häusern, -clubs oder Freizeitanlagen im Freien (Skatepark, DirtBike-Parcours, etc.) kann gemeinsam mit erwachsenen Unterstützern zeitnah durchgeführt werden. Die Umsetzung von Kino-Projekten oder Fahrrad- oder Mopedwerkstätten verspricht ebenfalls schnelle und sichtbare Erfolge.

 

Erfolgreiche Umsetzung

Erwachsene Unterstützer begleiten die Kinder und Jugendlichen im Entscheidungs- und Mitwirkungsprozess als verbindliche Ansprechpartner und Vertrauenspersonen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Bürokratische Prozesse sollten so niederschwellig wie möglich gehalten oder von Erwachsenen übernommen werden. Grundsätzlich sollte man Kindern und Jugendlichen möglichst viele Aufgaben und damit Verantwortung übertragen. Ein Vertrauensvorschuss in ihre Fähigkeiten und ihr Engagement motiviert junge Menschen sich dauerhaft einzubringen.

 

Die Vernetzung zwischen Kindern, Jugendlichen und der lokalen Arbeitsgruppe, beispielsweise über soziale Netzwerke, ist wichtig, um Abläufe und Fortschritte sichtbar zu machen. Erfolge und erreichte Zwischenetappen sollten regelmäßig über die gängigen Informationskanäle verbreitet werden. Auch hierbei empfiehlt es sich, junge Menschen einzubeziehen. Sie wissen häufig besser, wie man jugendgerechte und somit wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit macht.

 

Damit Beteiligung gelingen kann, müssen Erwachsene ihre eigenen Interessen zurückstellen. Dazu gehört auch, Prozesse über eine gewisse Zeit „auszuhalten“, auch wenn sie ineffektiv oder fragwürdig erscheinen. Kinder und Jugendliche sollten unbedingt selbstbestimmt entscheiden dürfen und dadurch eigene Erfahrungen machen.

 

Schritte zum Erfolg

  • offen für die Interessen der Kinder und Jugendlichen sein
  • begleiten und unterstützen statt (ein)fordern
  • Eigeninteressen zurückstellen
  • Entwicklungen „aushalten“
  • im Austausch bleiben und Fortschritte sichtbar machen

 

Misserfolge meistern

„Scheitern muss erlaubt sein“

Besprechen Sie vorab gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen ihre jeweiligen Ziele und Erwartungen an das Projekt. Erwachsene stecken ihre Erwartungen erfahrungsgemäß zu hoch. Gestalten Sie die Ziele lieber kleinteilig und realistisch und verständigen sie sich auch über das weitere Vorgehen bei Misserfolg.

 

Können Kinder und Jugendliche ihre Projektziele nicht erreichen, sollten Erwachsene ihnen frühzeitig Unterstützung anbieten. Häufig gibt es gute Gründe, warum Projekte misslingen. Bedürfnisse und Ansprüche verändern sich in der Lebensphase von Kindern und Jugendlichen regelmäßig. Finden Sie gemeinsam mit ihnen heraus, woran es gelegen hat, was beim nächsten Mal besser gemacht werden soll und wie sie weiterhin unterstützt werden können.

 

Im konstruktiven Umgang mit Misserfolgen können Sie ein wesentliches Zeichen für Kinder und Jugendliche, sowie die Erwachsenen in der Kommune setzen. Zeigen Sie, dass es erlaubt ist, Fehler zu machen und es wichtiger ist, wie man mit diesen umgeht. So stärken Sie dauerhaftes Engagement in der Kommune.

 

Zeit- und ortsunabhängige Beteiligung

Die Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die sich aktiv in der Kommune engagiert, verändert sich regelmäßig. Die Einen ziehen nach der Schule fort, Andere verbringen grundsätzlich wenig Zeit in der Kommune, weil konkrete Anlaufstellen fehlen. Um Kontakt zu halten und ihre weitere Mitwirkung unabhängig von Zeit und Ort zu ermöglichen, lohnt es sich, geeignete Informationsmittel einzurichten. Dafür können etwa Briefkästen aufgestellt oder Aushänge am „Schwarzem Brett“ genutzt werden. Angebote wie eine Bürgermeistersprechstunde oder ein Jugendstammtisch helfen neben online-basierten Beteiligungsmöglichkeiten (soziale Netzwerke/Kanäle, Websites, WhatsApp, etc.), den Austausch fortzuführen und mehr Akteure einzubeziehen.