Im 16. Kinder- und Jugendbericht des BMFSFJ zum Thema „Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter“ wird gefordert „wieder stärker darauf [zu] achten, dass es Rahmenbedingungen gibt, die Jugendgruppen und -initiativen ermöglichen, unterstützen und fördern, zumindest aber nicht be- oder verhindern. […] Dazu gehört beispielsweise das Vorhandensein (oder Schaffen) von ausreichend geeigneten Orten in öffentlichen und halböffentlichen Räumen. Neben solchen örtlichen Freiräumen brauchen junge Menschen auch zeitliche, gestalterische und finanzielle Freiräume für ihr Engagement in Jugendgruppen.“ (BMFSFJ, 2020)

 

Von Null auf Jugendraum ist eines von 26 Hoch vom Sofa! Projekten 2021 und praktisches Beispiel, wie mit niedrigschwelliger Förderung Freiräume und Orte für und mit jungen Menschen geschaffen, gestaltet und deren Engagement gefördert wird.

 

Von Null auf Jugendraum

Der ländliche Raum in Sachsen ist sehr vielfältig und wenn man sich weit im Osten Sachsens befindet, ist die Versuchung groß zu glauben man seit weit weg von Allem. Aber eigentlich liegt diese Region im Herzen in Europas! Und genau in diesem Herzen fand das Projekt „Von Null auf Jugendraum“ in Neustadt in Sachsen nahe der tschechischen Grenze statt.

 

Träume brauchen Räume

Bis vor Kurzem gab es nicht viele Orte, die Jugendliche in Neustadt in Sachsen nutzen konnten. Allzu oft müssen Jugendliche in der ländlichen Region sich selbst ihre Plätze und Orte schaffen und neue (öffentliche) Räume erobern. Im Sommer ist das noch einfacher, aber sobald die kalte Jahreszeit vor der Tür steht, wird es schon schwieriger. Doch zumindest eine kleine Linderung dieses Problem ist nun in Neustadt geschaffen worden.

 

Hoch vom Sofa! und rein ins Mehrgenerationenhaus

Im Mehrgenerationenhaus der AWO Ortsverbandes Neustadt in Sachsen treffen Menschen verschiedener Altersgruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander. Erst kürzlich wurde ein neuer Eltern-Kind-Raum geschaffen. Im ehemaligen Raum befindet sich nun ein nagelneu gestalteter Jugendraum. Gemeinsam mit dem ansässigen Sozialarbeiter haben Jugendlichen, welche das Mehrgenerationenhaus regelmäßig nutzen, bei Hoch vom Sofa! eine Förderung zur Renovierung beantragt und bekommen.

„Hauptsache man kann irgendwo abhängen“

Die Jugendlichen haben das ganze Mobiliar selbst gebaut. Stolz haben sie beim letzten Projektbesuch von ihren baulichen Fähigkeiten berichtet. Es wurden Europaletten veredelt, zu einem großen Podest zusammengebaut und eine Sofaecke entstand. Außerdem haben sie sich eine Playstation zugelegt die auch schon rege genutzt wird.

 

Es ist ein Rückzugsort zum Chillen, aber auch zur gemeinsamen sportlichen Betätigung wie Tischtennis oder Dart spielen geworden. Das gemeinsame Bauen und Planen hat die Gruppe zusammengeschweißt und es sind eben auch solche niedrigschwelligen Angebote wichtig, damit junge Menschen zusammenkommen können. Zum Abschluss ihres Projektes haben sich die Jugendlichen selbst und ihren neuen Raum gefeiert. Und wer weiß, vielleicht bietet dieser Raum die Möglichkeit der Vernetzung, dass bald noch etwas Größeres entstehen kann. Den Jugendlichen der Stadt wäre es von ganzem Herzen zu gönnen.

 

Text: Lucas Ehser, Projektbegleiter bei Hoch vom Sofa!, 12/2021