Wie sieht die Arbeit von Stark im Land aus?

Zwei Jungs sitzen vor einem Computer

Mit unseren Beteiligungsprogrammen Hoch vom Sofa, Jugend bewegt Kommune und Demokratie in Kinderhand verfolgen wir ein gemeinsames Ziel:

 

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in ländlichen Regionen Sachsens zu fördern.

 

 

 

 

 

Starkes Land?!

„Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder und Jugendlichen hier im Ort so tolle Ideen haben und unsere Heimat damit noch schöner machen können“, sagt Bürgermeisterin Sylvia Hölzel aus Oppach in der Oberlausitz. Denn im Landkreis Görlitz waren ein paar besondere Spurensucher unterwegs: 80 Dorfdetektive – Grundschüler aus der ersten bis zur vierten Klasse – erforschten, wie sauber ihre Gemeinde ist und was auf dem Schulweg fehlt. Das Ergebnis: ungenügend. Reichlich Müll am Straßenrand, Hundekot auf dem Spielplatz und Graffitis an den Hauswänden. Außerdem fehlt an der Bushaltestelle ein Regenschutz und der Teich an der Grundschule könnte schöner sein. Mit ihren Erkenntnissen gingen sie zum Gemeinderat und zur Bürgermeisterin – Verbesserungsvorschläge gleich mit im Gepäck. Ihre Ideen: eine Müllsammelaktion und neue Mülleimer, für die sie bei der örtlichen Sparkasse um eine Spende bitten wollen. Die Dorfdetektive zeigen, dass Kinder eine Vorstellung davon haben, wie ihre Heimat aussehen soll. Dass die Grundschüler aktiv werden konnten, ermöglichte das Programm Demokratie in Kinderhand.

 

Junge malt Graffiti

Es ist neben Hoch vom Sofa! und Jugend bewegt Kommune eines von drei Programmen unter dem Dach Stark im Land – Lebensräume gemeinsam gestalten, das von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) ins Leben gerufen wurde, gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Damit unterstützt die DKJS sächsische Kommunen dabei, kinder- und jugendfreundlicher zu werden.

Von klein auf mitbestimmen

 

Indem sich Kinder und Jugendliche mit ihrem Wohnort auseinandersetzen, spüren sie, dass sie an der Gestaltung ihrer Lebenswelt Anteil haben können und ernst genommen werden. So lernen junge Menschen früh, kooperativ zu handeln, wodurch demokratische Strukturen gestärkt werden. Davon können die ländlichen Regionen in Sachsen zukünftig profitieren.

 

Laut Prognosen wird die Bevölkerung bis 2030 um neun bis 13 Prozent zurückgehen; das Durchschnittsalter wird auf beinahe 51 Jahre steigen. Die Gruppe der Heranwachsenden hingegen schrumpft. Junge Menschen stellen außerhalb von Ballungszentren jetzt bereits eine Minderheit dar, deren Interessen und Bedürfnisse leicht untergehen. Kommunale Akteure und Politiker nehmen sie bislang kaum als das wahr, was sie sind – Experten und Gestalter des Gemeinwesens. Dazu kommen schwindende Freizeitangebote, eingeschränkte Mobilität und wenige Gleichaltrige im nahen Umfeld. Um ihre Lebenswelt selbstbestimmt mitgestalten zu können und sich dauerhaft in der Gesellschaft zu engagieren, brauchen sie jedoch Unterstützung.

 

Kinder und Jugendliche einzubeziehen ist nicht nur aus demokratischen Überzeugungen heraus bedeutend, es hat außerdem direkte, praktische Auswirkungen auf das Leben vor Ort. Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse tragen dazu bei, eine positive Verbindung zum eigenen Wohnort zu schaffen, den Ort dadurch lebenswerter zu machen und somit Bleibeperspektiven zu bieten. Zivilgesellschaftliches Engagement – je früher, desto besser – belebt die Gemeinschaft. Grundsätzlich stärken Beteiligungsprozesse die Akzeptanz demokratisch getroffene Entscheidungen mitzutragen. Stark im Land der DKJS fördert diese Anliegen.

 

Von Jugendlichen für Jugendliche

 

GraffitiworkshopKommunen können Kinder mit altersgerechten Angeboten zum Mitmachen ermuntern. Jugendliche hingegen haben auch von sich aus viele Einfälle, um mehr Leben in ländliche Regionen zu bringen. Das Programm Hoch vom Sofa! unterstützt sie dabei. Beispielsweise in Eppendorf im Landkreis Mittelsachsen, wo elf Jugendliche im Sommer 2017 ein Elektrofestival im örtlichen Jugendclub auf die Beine gestellt haben. Damit haben sie genau den richtigen Nerv getroffen – über 300 junge Menschen haben mit ihnen gefeiert.

 

Das Motto von Hoch vom Sofa: von Jugendlichen für Jugendliche. Egal ob Konzert, Skatepark oder Proberaum – wer eine Idee hat, kann sich bewerben. Eine Jury aus Jugendlichen entscheidet, welche Projektideen gefördert werden und bis zu 1 500 Euro erhalten. Das Team von Hoch vom Sofa! besucht die Projekte regelmäßig vor Ort und ist Ansprechpartner bei Fragen und Problemen. So können die Jugendlichen ihren Heimatort nach ihren Wünschen gestalten, denn sie wissen selbst am besten, was ihnen fehlt.

 

Beteiligung und Identifikation

 

Damit Projekte wie das Elektrofestival Realität werden können, fördert das Programm Jugend bewegt Kommune lokale Arbeitsgruppen. Bürgermeisterin oder Bürgermeister, Gemeinderäte und Kommunalverwaltung, Vertreter aus Kita, Schule, Jugendhilfe oder Vereinen sowie Gewerbetreibende kommen dazu regelmäßig zusammen. Dort diskutieren sie die Ideen und Vorhaben junger Menschen und setzen sie anschließend gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen in die Tat um. Wer mitmachen möchte, kann sich über die Website der Gemeinde, das Amtsblatt und Plakate oder über die Kitas, Schulen und Vereine informieren.

 

Die Erfahrung zeigt, dass die gemeinschaftliche Umsetzung von Projekten alle Generationen in einem Dorf näher zueinander bringt. Neue Freundschaften und tragfähige Netzwerke können dadurch entstehen, für die einige nach Ausbildung, Studium und ersten Berufserfahrungen wieder in ihre Heimat zurückkehren.

 

Damit Kinder- und Jugendbeteiligung in ländlichen Kommunen gelingt, müssen Kommunalverwaltung und Gemeinderat sie auch wirklich wollen und gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen an den nötigen Strukturen arbeiten. Außerdem braucht es Ansprechpartner, die Beteiligungsvorhaben konzipieren, umsetzen und junge Menschen ermuntern, daran teilzuhaben und selbst aktiv zu werden. Denn das ist die wichtigste Grundlage für Demokratiebildung: Sie muss im Alltag erlebbar sein und in der Lebenswelt junger Menschen stattfinden.