Die Stadt Rochlitz im Landkreis Mittelsachsen hat seit 2018 einen Schülerfonds in Höhe von 10.000 Euro eingerichtet. Die Schülerinnen und Schüler dürfen selbständig über das Geld verfügen. Dabei lernen sie demokratisches Handeln und gestalten das Leben in ihrer Gemeinde aktiv mit. Das Vertrauen zahlt sich aus: Der Fonds wurde zur festen Instanz in der Kommune.

 

Fördertöpfe für Kinderund Jugendprojekte

 

Mit Kinder- und Jugendfonds unterstützen Kommunen junge Menschen bei der Umsetzung eigener Projektideen. Der Stadtrat und die Verwaltung der Kommune legen sich auf einen bestimmten Betrag fest, der Kindern und Jugendlichen zur Realisierung ihres Projekts ausgezahlt wird. Die finanzielle Förderung läuft dabei unkompliziert und unbürokratisch ab.

 

Jugendliche bestärken, eigene Projekte umzusetzen

 

In Rochlitz war es Marcel Berger, Sozialarbeiter vom Muldentaler „Jugendladen“, der gemeinsam mit seinem Team den ersten Impuls setzte. Sein Wunsch war es, die jungen Bürgerinnen und Bürger stärker am Gemeinwesen zu beteiligen und sie zu bestärken, eigene Projekte umzusetzen. Mit Unterstützung des engagierten Bürgermeisters Frank Dehne kam der Stein ins Rollen und der erste Rochlitzer Kinder- und Jugendfonds wurde ins Leben gerufen.

 

Ein Gremium aus Kindern und Jugendlichen

 

Die Schülerinnen und Schüler aus Rochlitz sollten selbst über den Fördertopf bestimmen können. Daher wurde ein demokratisch organisierter Schülerrat ins Leben gerufen. Jede der insgesamt sieben Schulen in Rochlitz schickt zwei „Abgeordnete“ zu den Treffen des Rates. Zuerst wurde der Name und die Grundsätze beschlossen. Beschlussfähig ist „MoRo“ (Motley Rochlitz) bei einer Dreiviertelmehrheit. Gegenstimmen müssen angehört und diskutiert werden. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter begleiten das Gremium und moderieren die Treffen. Der Rat kann entscheiden, was mit der Fördersumme von 10.000 Euro passieren soll.

 

 

Die Idee: Ein Stadtfest für Schülerinnen und Schüler

 

Schon nach wenigen Treffen stand fest: Für insgesamt 1.500 Schülerinnen und Schüler von der Grund- bis zur Berufsschule sollte ein Fest auf die Beine gestellt werden. Der Gedanke, dass die verschiedenen Schulen bei dem Fest zusammenkommen und sich kennenlernen, sei während der Planung besonders wichtig gewesen, erinnert sich Justin, ein Schüler aus dem MoRo. Jede Schule konnte ihre Ideen für das Sommerfest einbringen und die Verantwortlichkeiten wurden zwischen den Schulen aufgeteilt. Bis zum 21. September 2018 – dem Tag des großen Sommerfestes – musste viel organisiert und geplant werden. Es gab rund 20 Stände, an denen selbst Seife hergestellt wurde, Beutel bemalt oder Kinder geschminkt wurden. Für jede Altersgruppe war etwas dabei. Außerdem wurde ein Siebenkampf veranstaltet und es gab ein buntes Bühnenprogramm mit Bands. Um das Sommerfest durchzuführen, arbeitete der MoRo mit ortsansässigen Firmen zusammen. Das Fest wurde sehr gut angenommen und war ein voller Erfolg. „Sowas hat in Rochlitz noch niemand vorher gemacht. Wir mussten uns das alles selber erarbeiten.“ erzählt Justin stolz.

 

Ein Vertrauensvorschuss, der sich ausgezahlt hat

 

Bürgermeister Frank Dehne empfängt im Rochlitzer Rathaus an der Stirnseite eines langen Tisches. Er habe den Plan, Kinder und Jugendliche zu beteiligen, von Anfang an unterstützt, erzählt Dehne. Trotz der Skepsis des Stadtrates hat er den Schülerinnen und Schülern erst einmal grundsätzlich vertraut. Aus dem Stadtrat kam die Forderung, dass die Pläne des MoRo, besonders die Ausgaben, von den Erwachsenen abgesegnet werden müssten.

„Doch das war nicht unser Konzept“, sagt Frank Dehne. „Den Kindern und Jugendlichen sollte die Entscheidung übertragen werden. Wenn sie von dem gesamten Geld Eisessen gegangen wären, dann wäre es eben so gewesen und sie hätten auch daraus etwas gelernt.“

Doch die jungen Menschen in Rochlitz haben mit der erfolgreichen Organisation des Sommerfestes unter Beweis gestellt, dass sie verantwortungsvoll mit dem Schülerfonds umgehen und sich für die Gemeinschaft einsetzen.