Aus der Praxis: Wie Kinder in Ottendorf-Okrilla mitentscheiden

Um junge Menschen an einem Ortsentwicklungskonzept in Ottendorf-Okrilla zu beteiligen, wurden die komplizierten Prozesse in ein altersgerechtes Format übersetzt. Dabei zeigte sich: Kinder haben viele Ideen und Wünsche für die Gegenwart und Zukunft ihrer Gemeinde.

 

Meckermonster und Wunschfee

Ein Ortsentwicklungskonzept ist eine komplexe Angelegenheit. Demografischer Wandel, Baupotenziale und wirtschaftliche Entwicklung sind nur einige der Themen, die hier eine Rolle spielen. In Ottendorf-Okrilla ist das Planungsbüro Schubert aus Radeberg mit der Entwicklung eines solchen Konzepts beauftragt.

 

 

Damit eine „ganzheitliche Zukunftsaussicht für die Gemeinde“ entstehen kann, sollen auch die Bürgerinnen und Bürger in den Prozess miteinbezogen werden.

 

Kinder als Zukunft der Gemeinde

Kinder sind nicht nur ein Teil der Bevölkerung, sondern ein elementarer Bestandteil der Gemeinde. Schließlich sind sie diejenigen, die in einigen Jahren von den Auswirkungen der jetzigen Entscheidungen und Maßnahmen betroffen sein werden und (hoffentlich) auch die zukünftigen Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde. Eine Beteiligung von Kindern am Entwicklungs- und Handlungskonzept für Ottendorf-Okrilla sichert also die Zukunft der Gemeinde.

Doch wie soll man die oft schon für Erwachsene komplexen Prozesse eines Ortsentwicklungskonzept Kindern erklären? Und wie können Kinder in die Ortsentwicklung miteinbezogen werden?

 

Übersetzungsarbeit

Um die Perspektive von Kindern in das Ortsentwicklungskonzept miteinzubeziehen und ihre Wünsche und Ideen ernst zu nehmen, muss eine gewisse „Übersetzungsarbeit“ geleistet werden. Die verklausulierten Sachverhalte der Ortsentwicklung müssen in eine kindergerechte Sprache runtergebrochen werden. Grundsätzlich ist Kinder der bürokratische Fachjargon fremd. Viel zu selten interessieren sie sich für Bauplanung und demografische Entwicklung. Eine Meinung zu ihrem Lebensumfeld haben sie aber sehr wohl! Sie wissen, was ihnen gefällt und was nicht und teilen gerne ihre Verbesserungsvorschläge und Ideen.

 

Workshops als kindgerechtes Format:
Ist-Zustand, Kritik- und Visionsphase

Um diese zu erkunden wurden im vergagengen Winter zwei Workshops mit den Kinderräten der Gemeinde durchgeführt – im Rahmen des Programms Demokratie in Kinderhand, an dem die Gemeinde seit 2017 teilnimmt. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Horten wurden die Kinderräte, als Vertreterinnen und Vertreter der Kinder, zu ihrem Heimatort befragt.

 

 

Die DKJS hat verschiedene Formate entwickelt, um die Meinungen und Verbesserungsvorschläge von Kindern zu erkunden. In Ottendorf-Okrilla kamen ein Meckermonster und eine Wunschfee zum Einsatz – um sowohl Kritik als auch Wünsche und Ideen der Kinder zu erfahren. Der Workshop lief in drei Stufen ab. Zunächst sollte der Ist-Zustand erkundet werden. Hier wurden die Kinder gefragt, was ihnen in Ottendorf-Okrilla gefällt und welche Spiel- und Freizeitmöglichkeiten bereits vorhanden sind.

In einer anschließenden Kritikphase konnten die in Kinder dem Meckermonster all das mitteilen, was sie an ihrem Lebensumfeld stört. In der abschließenden Visionsphase konnten die Kinder ihre Ideen und Wünsche für die Wunschfee aufschreiben.

 

In den Workshops wurde deutlich, dass die Kinder besonders die mangelnde Sauberkeit auf Plätzen („Müll liegt rum“) und fehlende Freizeitangebote („Kino fehlt“, „Spielplatz fehlt“) kritisieren. Der Wunschfee wurden unter anderen die Wünsche nach einem Schwimmbad, einem Eisladen, mehr Radwegen und einem Museum für Geschichte aufgegeben. Insgesamt war zu beobachten, dass Sicherheit und die Sauberkeit von Plätzen bei den Kindern einen großen Stellenwert besitzen.

 

Gelungene Beteiligung

Aus den Ergebnissen des Workshops wurde von den Kinderräten ein Fragebogen entwickelt, mit dem die Grundschüler der Klassen zwei bis vier befragt wurden: Was gefällt dir an deinem Ort besonders gut? Wo verbringst du gerne Zeit? Wünscht du dir mehr Freizeit- und Sportmöglichkeiten? Welches Hobby würdest du gerne in deinem Wohnort machen?

 

 

Insgesamt wurden rund 500 Kinder befragt. Um das Engagement der Kinder zu würdigen, überreichten zehn Vertreterinnen und Vertreter der Grund- und Oberschule die Ergebnisse der Umfrage dem Planungsbüro Schubert. So wurde hervorgehoben, dass die Ideen, Wünsche und Bedürfnisse der Kinder ernst genommen werden.

 

In Ottendorf-Okrilla hat sich gezeigt: Kinder können an einem Ortsentwicklungskonzept beteiligt werden – es muss ihnen nur die Möglichkeit gegeben werden, sich auf ihre Art und Weise zu äußern.